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Heilpilze

Veröffentlicht am 13.11.2017 von christine um 17:22 Uhr

Herbstzeit ist die Zeit der Pilze, es duftet nach Laub und Erde, die Wälder werden bunt und die Tage kürzer.
Wir stiefeln auf Pilz-Suche durch die Natur und es ist Gelegenheit für einen Pilz-Kurs und das Stöbern in Pilz-Ratgebern.
Es gibt viele Arten an Pilzen. Es gibt die giftigen, die nur schön und fotogen aussehen - denken wir an den Fliegenpilz. Es gibt viele essbare Pilze wie Steinpilze oder Maronen in unseren Wäldern, es gibt Champigngons auf den Wiesen ... und dann gibt es die sogenannten Heilpilze.
Heilpilze werden auch medizinische Pilze, Medizinal-, Vital- oder Gesundheitspilze genannt.
Der Begriff der Mykotherapie steht für das Heilen mit Pilzen. Meist werden hier Großpilze verwendet, aus denen ein Pilzpulver oder Extrakt gewonnen wird.
Schon Ötzi hatte vor 5.200 Jahren diese Pilze in seiner Reiseapotheke. Die Traditionelle Chinesische Medizin verwendet seit langem Heilpilze.
In alten Kräuterbüchern wird die Wirkung von europäischen Pilzen wie Stinkmorchel, Zunderschwamm oder Hallimasch beschrieben.
Also kein modernes, neues oder asiatisches Wissen um die Heilkraft dieser besonderen Wesen,
sondern eine altbewährte Therapie und vor allem bei uns in Europa etwas in Vergessenheit geraten.

Wir nutzen Medizinalpilze selten als Frischware, sondern meist als Pilzpulver oder -extrakt.
Beides gibt es im Handel als Pulver, Tabletten, Kapsel und als Einzelpilz oder eine Mischung verschiedener Pilze. Pilzpulver wird aus getrockneten, gemahlenen Pilzen hergestellt und ist ein Nahrungs- oder Futterergänzungsmittel. Der Extrakt wird mit einem Lösungsmittel aus dem Pulver gewonnen. Er ist konzentrierter, enthält die löslichen Pilzbestandteile, nicht den ganzen Pilz wie das Pulver, und wird eher therapeutisch verwendet.

Was ist so besonders an den Pilzen und an Heilpilzen?
Die Antwort liegt in ihren vielen und unterschiedlichen Inhaltsstoffen, wie zum Beispiel den Adaptogenen. Dies sind biologisch aktive Stoffe, die hochkonzentriert in Pflanzen oder in diesem Fall in Pilzen, die sich sehr gut an ihre extreme Umwelt angepasst haben, also an Kälte, viel Sonne, wenig Wasser, sind.
Adaptogene - (adaptare ist lateinisch und bedeutet anpassen) - erhöhen die Anpassungsfähigkeit, Leistungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Stress und alle möglichen Bedrohungen. Die Pflanzen mit diesen Inhaltstoffen sind selten und ein wahrer Schatz in unserer Stallapotheke, da sie sich sehr vielseitig einsetzen lassen.
Neben den Heilpilzen gehören u. a. der Wurzelextrakt der Rosenwurz oder der „Goldenen Wurzel“ (Rhodolia rosea) und der Schlafbeere, auch Winterkirsche oder indischer Ginseng (Ashwaganda) genannt, dazu.
Pilze sind reich an Vitalstoffen, Vitaminen (auch der B-Gruppe), Mineralien, Spurenelementen (Kupfer, Zink und Selen) und essentiellen Aminosäuren, Enzymen und Chitin.
Daneben beinhalten sie sekundäre Pflanzenstoffe wie Triterpene und vor allem Polysaccharide/Glykane, also Mehr- oder Vielfachzucker. Diese Beta-Glukane sind wichtig für das Immunsystem und den gesamten Stoffwechsel, die Durchblutung und den Säure-Basen-Haushalt. Triterpene sind Lipide und helfen bei Entzündungen, da sie Bakterien und Viren bekämpfen, und bei Allergien, da sie die Histamin-Ausschüttung mindern. Sie sind angezeigt bei Leber- und Krebserkrankungen und Bluthochdruck. Außerdem verbessern sie die Zusammensetzung des Blutes besonders im Hinblick auf die Blutfettwerte und wirken der Bildung von Thrombosen entgegen. Aufgrund ihrer chemischen Struktur wirken sie ähnlich wie Steroidhormone, also wie Kortison. Der hohe Adenosingehalt in den Pilzen hilft bei der Energiebereitstellung im Körper, bei der Regulierung im Nervensystem, bei der Entspannung der Muskulatur und Schmerzlinderung und schützt zusätzlich vor freien Sauerstoff-Radikalen.
Das Pilzpulver kann gut in eine Tasse Hühner- oder Gemüsebrühe oder ein Glas Wasser eingerührt oder für Tiere dem Futter beifügt werden.
Die Kapseln, Tabletten oder Tropfen der Tinktur werden zu den Mahlzeiten mit Flüssigkeit eingenommen.
Die Anwendung sollte mittel- bis langfristig angedacht werden.
Da Pilze auch entgiftend wirken, können körperliche Begleitsymptome wie Durchfall oder Hautekzeme auftreten.
In diesem Fall sollte die Dosierung verringert oder generell mit kleineren Mengen begonnen werden und dann allmählich gesteigert werden.

Der Glänzende Lackporling oder Reishi, Ganoderma lucidum, ist der „Pilz des ewigen Lebens“ oder zu mindestens der „10.000 Jahre Pilz“, ein Symbol für Glück und Unsterblichkeit und Tonikum für Vitalität und Langlebigkeit. In der chinesischen Volksmedizin heißt er Ling Zhi oder „König der Heilpflanzen“ und wird für wertvoller als Ginseng gehalten. Er wächst meist auf Laubbäumen, bevorzugt dabei die Eiche, Ulme. Ahorn, Weide, Magnolie, Pflaumenbaum oder Robinie. Der Pilz ist fest und holzig, wahrlich kein Speisepilz. Der 5 bis 20 cm hohe Hut sitzt auf einem seitlichen Stiel. Eine Harzschicht überzieht den Fruchtkörper, die erst heller gelblich, dann rötlich und dunkel wird. Daher der Namensteil „glänzend“. Der Rand des Pilzhutes ist wie die Unterseite hell. Man kann diesen Pilz auch selber kultivieren und dann nach zwei Jahren den Fruchtkörper ernten und trocknen und selbst Reishi-Pulver herstellen. Man findet im Reishi über 400 bioaktive Bestandteile, davon 140 Triterpene und über 100 Mehrfachzucker. Die vielseitige Zusammensetzung erklärt das große Anwendungsgebiet. Er wirkt schmerzlindernd und antiallergisch. Er ist ein Entzündungs- und Grippemittel, da er Bakterien und Viren bekämpft und das Immunsystem anregt. Auch bei Gelenkentzündungen oder Hautekzem, Magengeschwür, Nierenentzündung unterstützt er die Heilung. Er ist krebshemmend (gut in Kombination mit grünem Tee) und hilft bei einer Leber- oder Herzerkrankung, denn er stärkt Leber und Herz und fördert gleichzeitig die Entgiftung des Organismus. Durch die Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems wird einem Herzinfarkt und hohen Blutdruck vorgebeugt und die Sauerstoffsättigung des Blutes erhöht, was besonders bei chronischen Atemwegsproblemen wichtig ist. Reishi hat einen starken Bezug zu den Atemwegen und ist angesagt bei Asthma, chronischer Bronchitis, Husten und Atemnot. Der Reishi wirkt entspannend und beruhigend. Außerdem wirkt er ähnlich wie Cortison, aber ohne Nebenwirkungen, und reguliert die Ausschüttung von Histamin bei Allergien. Der Reishi ist ein Stärkungsmittel, unterstützt die Erholung nach langer oder bei einer chronischen Erkrankung oder Krebsleiden.
Möglich ist eine Kombination des Reishi mit Vitamin C, zum Beispiel in Form von Sanddorn, Hagebutte o.ä., wenn man mit Durchfall auf die Gabe des Heilpilzes reagiert.

Neben dem Reishi gibt es noch eine Vielzahl anderer wertvoller Heilpilze. Der Shiitake oder Lentinula edodes, „König der Heilpilze“, ist ein duftender Speisepilz. Er senkt den Cholesterinspiegel und wirkt gegen Arteriosklerose, Durchblutungsstörungen und Bluthochdruck. In der Krebstherapie wird er als Immunstärker eingesetzt und hilft bei einer grundlegenden Darmsanierung, bei Erschöpfung nach Krankheit oder Überanstrengung, bei Allergien und Autoimmunerkrankungen.
Der Igelstachelbart, auch Pom-Pom-Pilz oder Affenkopfpilz genannt - was ein phantasievoller Name - den Hericium erinaceus, sieht wirklich besonders auffallend aus. Ein Heilpilz für Magen und Darm, für Nerven- und Gehirnzellen. Er hilft bei neurologischen Störungen, hebt die Stimmung, lindert Ängste, Unruhe und Schmerzen.
Der wohlschmeckende Mandelpilz oder Agaricus blazei murril ähnelt unserem Champignon und ist der Pilz für das Immunsystem. Er wird bei der Behandlung von Krebs- und Autoimmunerkrankungen sowie Diabetes eingesetzt und wirkt gegen Bakterien und Viren.
Das Judasohr oder Auricularia polytricha, Pilz der Jahres 2017, auch „chinesische Morchel“ genannt, ist ein Speisepilz, der schon im Mittelalter in Europa vielseitig eingesetzt wurde. Der „Meister des Blutes“ verbessert dessen Fleißeigenschaft und verhindert Thrombosen (Bildung von Blutgerinnseln in den Gefäßen), Durchblutungsstörungen, Arteriosklerose und Kreislaufprobleme. Er ist ein natürlicher Blutverdünner und er stillt auf der anderen Seite auch Blutungen. Man verwendet ihn bei schlecht heilenden Entzündungen und Sarkomen (Bindegewebsgeschwülsten).

Die Vielfalt an Pilzen, die wir essen können und die heilkräftig sind, ist überaus groß und breit gefächert.
Bitten Sie bei Interesse an einem Einsatz der Medizinalpilze bei Ihnen oder Ihren Tieren einen Heilpraktiker, Tierheilpraktiker oder Mykotherapeuten um eine Beratung bzgl. Auswahl, Dosierung und Nebenwirkungen.

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