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Tiere - unsere besten Freunde

Veröffentlicht am 30.10.2018 von christine um 10:09 Uhr

Überschriften und Buchtitel dieser Art machen mir Bauchschmerzen. Nein, nicht wirklich, aber sie gefallen mir nicht und ich starte dann prompt den Suchdurchlauf nach einer Alternative. Aber zuerst stellt sich die Frage, warum Tiere die besten Freunde des Menschen sind. Oder sein sollen? Sollten sie es sein? Soll nicht der Mensch dem Menschen ein bester Freund sein?

Was ist ein Freund?
Einer, der zu mir hält, egal was ist, kommt da die Antwort. Man versteht sich unter Freunden, auch ohne (viel) Worte, man mag den anderen, findet ihn sympathisch, ist gerne in seiner Nähe, man hilft sich gegenseitig und das immer und ohne Ausnahme. Man kann sich (fast) alles erzählen, sich austauschen mit seinen Gedanken und Überlegungen, kann Gefühle vermitteln und sich oft auch gegenseitig verstehen, weil man ähnlich tickt. Oder was ist ein Freund für mich? Manchmal ist ein Freund auch anstrengend, im Moment und kurzfristig. Nämlich dann, wenn er angebrachte Kritik übt, mal etwas anders sieht als ich, mich wieder runterholt auf den Boden der Tatsachen oder mich irgendwie eines Besseren belehrt. Dann ist er ein wenig wie Eltern und die sind auch nicht immer gut, aber meistens, und eine Art Freund für uns (sollten sie sein, es gibt Ausnahmen und das ist traurig, ebenso wie die Lehrer).

Nun sind Tiere unsere besten, die Betonung liegt auf besten, Freunde. Nicht nur Freunde, wie man lockere Freundschaften mehr oder weniger pflegt, nein, sie sind in einer innigen Freundschaft mit mir. Ich denke an Lassie, Black Beauty und Flipper und all die schönen Tierfilme, die das Thema natürlich bedienen. Ich mag diese Filme auch.
Was für eine Verantwortung für ein Tier mein bester Freund zu sein!
Für Menschen schon nicht so einfach mit mir, aber der Hund, der ja als der beste Freund der Menschheit tituliert wird, bekommt volle Breitseite und haarklein alles mit. Ich rede mit ihm, ich lasse ihn an meinen Gesprächen und harten Diskussionen mit Freunden und Familie, Mann und Kind zuhören (er liegt unterm Tisch). Er teilt meine Vorliebe fürs Bio-essen oder ist vegan geworden, wie der Mensch. Er joggt gerne oder läuft neben dem Rad. Er lebt, wo ich lebe, und hat viel Glück, wenn er auf dem Land und mit Garten wohnt. Er schläft, nein, bitte nicht im Bett, in meiner Nähe. Da hört er alle meine nächtlichen Geräusche, meine Träume, meine Verwünschungen gegenüber dem Wecker und dem frühen Morgen. Das mit im Bett schlafen ist anstrengend und erlaubt dem Tier keine Pause von meiner Energie und fortlaufenden Information. Da lobe ich mir Pony, Schaf und Schwein, die in der Regel, so denke ich, noch draußen leben und im gesunden Abstand zum Zweibeiner.

Nun ist das Tier mehr als „nur“ ein Tier.
Es hat für mich eine Seele, es fühlt und denkt, aber es wird nicht so menschlich denken wie sein bester Freund, der Mensch. Es grübelt nicht über seine traurige Vergangenheit im Tierheim in Spanien, seine Torturen als Kutschpferd in Rumänien, seine Jahre der Ausbeutung in der Schweinezucht oder als Milchkuh in einem Stall ohne Weidegang. Es ist wie es ist für das Tier. Kein Wenn und Aber oder „Hätte, hätte, Fahrradkette“. Seelische Verletzungen bleiben, wie eine Furcht vor großen Männern, langen Stöcken, ungestümen Bewegungen, lauten Geräuschen.
Mein Tinkerpony überlegt nicht nächtelang, wie der verflixte Ort in Irland hieß, wo es jahrelang hungrig durch die Straßen zog, oder wie der Name des Jungen war, der es brutal vor den Sulky spannte und mit der Peitsche voran jagte. Das ist dem Pony schlichtweg egal. Mir wäre es nicht egal. Ich würde recherchieren und würde die Namen herausfinden. Ob mich das glücklich macht oder das Trauma auflöst?
Aber in dem Fall Pony und ich, kann ich mich nicht mit dem guten, besten vierbeinigen Freund in allen Einzelheiten über diese erlittenen Verletzungen austauschen. Auch nicht über schöne Erlebnisse, seine Gedanken zur Fütterung und Weideführung, zur Stallgestaltung, über die Farbwahl beim Halfter oder gar meiner Hose. Das ist dem Pony peng. Und das ist gut so.
Denn das Pony ist mein Pony und meine Freundin ist meine Freundin. Mit der kann ich über fast alles sprechen und bekomme Feedback.
Das angenehme und einfache an dem Tier als Freund ist, dass es nicht so geschwätzig ist. Es ist ein zuhörender Freund, was oft das Wichtigste ist und was bei vielen fehlt. Es fällt mir nicht ins Wort, plappert nicht dazwischen, ist vielleicht auch nicht sooo bei der Sache, sondern interessiert sich für das Futter oder Gras oder was ganz anderes, aber natürlich hört mir das Tier dabei auch intensiv zu. Multitasking-Tier. Es ist immer da, kommt auf Rufen, ordnet sich artig unter und ist brav.
Bei den Hunden ist das so, bei anderen Tieren nicht ganz so easy. Katzen machen, was sie selber wollen, und Ponys meist auch.
Dafür halten sie uns den Spiegel vor! Das tun Menschenfreunde auch, mit Worten. Tiere mit ihrem Verhalten und wenn es arg wird mit Krankheiten. Das Pony will nicht mit mir reiten gehen? Das Pony ist stur. Die Katze erst gar nicht da und will nicht rein. Kann ich das Pony davon überzeugen, dass es jetzt mit mir gehen muss? Auch an dem Lastwagen vorbei oder über die fette, grüne Wiese?
Da spiegelt sich meine Überzeugungskraft, meine Stärke in der Führung und Beruhigung, im Schutz vor Gefahren, meine Ruhe wieder, wenn das Pony mit mir kommt und wir an dem Ungeheuer Lastwagen lebend und unversehrt vorbeikommen.

Ich liebe Tiere. Sie sind einfach lieber und „besser“ als viele Menschen, weil ihnen Durchtriebenheit und Arglistigkeit Fremdwörter sind.
Ich versuche, meine Haustiere schön und artgerecht zu halten und lerne immer wieder dazu.
Und ich kann Tiere essen! Weil sie nicht meine besten Freunde sind

Impressionen