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Heilen mit Pilzen

Pilze sind etwas ganz Besonderes und Eigenartiges. Für viele zählen sie zu den Pflanzen, aber sie sind weder Tier noch Pflanze, sie sind ein „Reich“ für sich, wie man so schön sagt, und enger mit den Tieren verwandt als mit den Pflanzen. Sehr wundersame Lebewesen.
Pilze bauen totes organisches Material, leben als Parasit von anderen Lebewesen oder in einer Symbiose mit einer Pflanze. Sie sind überall, wo sie Nahrung finden, und haben damit eine große Auswahl an Lebensräumen. Es gibt Speisepilze, die wir in der Natur finden, anbauen und kultivieren können, und dann mit Vorsicht zu „genießen“: die Giftpilze. Zum guten Schluss haben wir Pilze, die uns hier besonders interessieren: medizinische Pilze oder Heilpilze, auch Medizinal-, Vital- oder Gesundheitspilze genannt.

Der Begriff Mykotherapie steht für Heilen mit Pilzen oder die Pilzheilkunde. Meist werden Großpilze verwendet, aus denen ein Pilzpulver oder Extrakt gewonnen wird. Schon Ötzi hatte vor 5.200 Jahren diese Pilze in seiner Reisapotheke. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) verwendet seit langem Heilpilze. In alten Kräuterbüchern wird die Wirkung von europäischen Pilzen wie Stinkmorchel, Zunderschwamm oder Hallimasch beschrieben. Also kein modernes, neues oder asiatisches Wissen um die Heilkraft dieser besonderen Wesen, sondern eine altbewährte Therapie und zum Teil, vor allem bei uns in Europa, vergessen und unbeachtet.
Für uns Menschen, auch für unsere Tiere können Heilpilze eine Unterstützung bei Gesundheitsproblemen oder eine Ergänzung der Futterration sein.
Wir nutzen sie selten als Frischware, sondern als Pilzpulver oder -extrakt. Beides gibt es im Handel als Pulver, als Tabletten, als Kapsel und als Einzelpilz oder eine Mischung verschiedener Pilze. Pilzpulver wird aus getrockneten Pilzen hergestellt, die fein gemahlen werden, und ist ein Futterergänzungsmittel. Der Extrakt wird mit einem Lösungsmittel aus dem Pulver gewonnen. Er ist konzentrierter, enthält die löslichen Pilzbestandteile, nicht den ganzen Pilz wie das Pulver, und wird eher therapeutisch verwendet.

Was ist so besonders an den Pilzen und an Heilpilzen? Die Antwort liegt in ihren vielen und unterschiedlichen Inhaltsstoffen, wie zum Beispiel den Adaptogenen. Dies sind biologisch aktive Stoffe, die hochkonzentriert in Pflanzen oder in diesem Fall in Pilzen, die sich sehr gut an ihre extreme Umwelt angepasst haben, also an Kälte, viel Sonne, wenig Wasser, sind.  Adaptogene, erhöhen - wie schon der Name sagt (adaptare ist lateinisch und bedeutet anpassen) - die Anpassungsfähigkeit, Leistungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Stress und alle möglichen Bedrohungen. Diese Pflanzen mit diesen Inhaltstoffen sind selten und ein wahrer Schatz in unserer Stallapotheke, da sie sich sehr vielseitig einsetzen lassen.
Neben den Heilpilzen gehören u.a. der Wurzelextrakt der Rosenwurz oder der „Goldenen Wurzel“ (Rhodolia rosea) und der Schlafbeere, auch Winterkirsche oder indischer Ginseng (Ashwaganda), genannt dazu.
Pilze sind reich Vitalstoffen, Vitaminen, auch der B-Gruppe, Mineralien, Spurenelementen (Kupfer, Zink und Selen) und essentiellen Aminosäuren, Enzymen und Chitin. Daneben beinhalten sie sekundäre Pflanzenstoffe, wie Triterpene und vor allem Polysaccharide/Glykane, also Mehr- oder Vielfachzucker. Diese Beta-Glukane sind wichtig für das Immunsystem und den gesamten Stoffwechsel, die Durchblutung und den Säure-Basen-Haushalt. Triterpene sind Lipide und helfen bei Entzündungen, da sie Bakterien und Viren bekämpfen, und bei Allergien, da sie die Histamin-Ausschüttung mindern. Sie sind angezeigt bei Leber- und Krebserkrankungen und Bluthochdruck. Außerdem verbessern sie die Zusammensetzung des Blutes besonders im Hinblick auf die Blutfettwerte und wirken der Bildung von Thrombosen entgegen. Aufgrund ihrer chemischen Struktur wirken sie ähnlich wie Steroidhormone, also wie Kortison. Der hohe Adenosingehalt in den Pilzen hilft bei der Energiebereitstellung im Körper, bei der Regulierung im Nervensystem, bei der Entspannung der Muskulatur und Schmerzlinderung und schützt zusätzlich vor freien Sauerstoff-Radikalen.

Wie ist die Dosierung? Bei Tieren bis 20 kg Gewicht 1-2 g Heilpilzpulver oder 0,2-0,5 g Pilzextrakt, bei 20-40 kg Gewicht 2-4 g Pulver oder 0,5-1 g Extrakt und bei großen Tieren wie Pferden 4-9 g Pulver oder 1,2-2 g Extrakt. Das Pulver kann man gut dem Futter beifügen. Die Anwendung sollte mittel- bis langfristig angedacht werden. Da die Pilze auch entgiftend wirken, können die körperlichen Begleitsymptome wie Durchfall oder Hautekzeme dies anzeigen. In diesem Fall sollte die Dosierung verringert werden oder generell mit kleinsten Mengen begonnen werden und dann allmählich gesteigert werden.
 

Nun eine Vorstellung einiger wichtiger Pilze:

Beginnen wir mit dem Glänzender Lackporling oder Reishi, Ganoderma lucidum, dem „Pilz des ewigen Lebens“, Symbol für Glück und Unsterblichkeit, in der chinesischen Volksmedizin heißt er Ling Zhi und wird für wertvoller als Ginseng gehalten und ist der "König der Heilpflanzen".  Ob wir es mit einer Lebererkrankung, Allergie oder Entzündung zu tun haben, das Herz oder eine Krebserkrankung Probleme bereiten, hier finden wir Hilfe. Ein vielfältig wirkender Pilz durch die Fülle seiner Wirkstoffe und einer der für mich wichtigsten in der Liste der Vitalpilze. Er wächst meist auf Laubbäumen und bevorzugt dabei die Eiche und ist kein Speisepilz, sondern eher hart und bitter schmeckend.
Der Reishi wirkt gegen Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger, ist also ein Grippemittel und Entzündungshemmer, egal ob Gelenkentzündung oder Hautekzem, Magengeschwür oder Nierenentzündung. Er ist ein sehr gutes Lebermittel, kräftigt dessen Funktionen und fördert die Entgiftung und kann auch bei chronischer Hepatitis eingesetzt werden. Das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt, einem Herzinfarkt und hohen Blutdruck vorgebeugt und die Sauerstoffsättigung des Blutes erhöht, was besonders bei chronischen Atemwegsproblemen wichtig sein kann.
Er kann der Tumorbildung (auch sehr gut in Kombination mit grünem Tee) und Autoimmunerkrankung vorbeugen und die Therapie bei bestehender Erkrankung begleiten.
Neben der Leber hat der Reishi einen starken Bezug zu den Atemwegen und er ist angesagt bei Asthma, chronischer Bronchitis, Husten und Atemnot. Der Reishi wirkt entspannend und beruhigend.
Außerdem wirkt er ähnlich wie Cortison, aber ohne Nebenwirkungen, und reguliert die Ausschüttung von Histamin bei Allergien. Der Reishi ist ein Stärkungsmittel, er unterstützt die Erholung nach langer oder bei einer chronischen Erkrankung oder Krebsleiden, also das Mittel in der Rekonvaleszens.
Möglicherweise ist eine Kombination des Reishi mit Vitamin C, zum Beispiel in Form von Sanddorn, Hagebutte o.ä. sinnvoll, wenn das Tier mit Durchfall auf die Gabe des Heilpilzes reagiert.

Der Shiitake oder Lentinula edodes ist der „König der Heilpilze“ und sehr vielseitig. Ein duftender, heilender Speisepilz. Er reduziert die Blutfette, erhöht die Cholesterin-Ausscheidung und vermindert die Gefahr von Arteriosklerose und Bluthochdruck. In der Krebstherapie wird er als Immunstärker eingesetzt, er unterdrückt das Tumorwachstum und unterstützt die Entgiftung. Ein wichtiger Pilz bei Gelenkproblemen und zur Förderung der Leberfunktion. Allgemein ist er angesagt bei Erschöpfung und fördert die Erholung nach Krankheit oder Überanstrengung.

Dann haben wir den Igelstachelbart, auch Pom-Pom-Pilz oder Affenkopfpilz genannt, was phantasievolle Namen, den Hericium erinaceus. Er gehört in die Familie der Stachelbärte und sieht wirklich besonders auffallend aus. Dieser Pilz lebt an Eichen und Buchen, besonders gerne an deren Wundrändern oder auch an Totholz. Es gibt in, zwar selten, in Deutschland und man kann ihn auch essen, ein Speisepilz also, der auch kultiviert wird. Dies ist ein Heilpilz bei Magen-Darm-Erkrankungen und -Infektionen und damit für das Immunsystem, bei allen Verdauungs- und Stoffwechselproblemen, bei Entzündungen und Hautproblemen, bei Nervenerkrankungen und Nervenverletzungen oder Krebserkrankungen. Er hebt die Stimmung, lindert Ängste und Unruhe und Schmerzen, besonders bei nervösen Magenbeschwerden.

Der Mandelpilz oder Agaricus blazei murril ist der Pilz für das Immunsystem. Er wird zur Behandlung von Krebs- und Autoimmunerkrankungen eingesetzt und unterstütz die Milz und Leber.

Das Judasohr oder Auricularia polytricha fördert die Durchblutung und verhindert Thrombosen, also die Bildung von Blutgerinnseln in den Gefäßen, ein natürlicher Blutverdünner also. Er ist der „chinesische Morchel“, ein Speisepilz, der schon im Mittelalter bei uns in Europa vielseitig eingesetzt wurde. Man setzt ihn auch bei Blutungen ein, beispielsweise bei Blut im Harn oder Gebärmutterblutungen, oder bei Schleimhautentzündungen, also bei trockenem Husten, Schnupfen oder Blasenentzündung.

Der Schopftintling oder Coprinus comatus ist ein Blutzucker-Pilz und hilft bei Diabetes und bei bösartigen Geschwülsten im Binde- und Stützgewebe. Daneben wirkt er auch positiv auf die Verdauung und kann bei Verstopfungen helfen.

Der Raupenpilz oder Cordyceps sinensis ist der Pilz für die Niere, die in der TCM Energiespeicher und Wurzel des Lebens ist. Er stärkt die Geschlechtsorgane und die allgemeine Ausdauer und Leistungsbereitschaft sowie die Erholung nach langen Erkrankungen. Außerdem wirkt der Raupenpilz wie ein Antibiotikum, er stärkt das Immunsystem und die Herztätigkeit, die Lunge und Leber.

Die Schmetteringstramete oder Coriolus versicolor unterstützt das Immunsystem und die Wundheilung, da er Viren, Bakterien und Pilze bekämpft wie auch Krebszellen. bei Warzen und Pilzerkrankungen, bei Leberproblemen und Infektionen mit Bakterien, bei Fibrosarkom

Der Maitake oder Klapperschwamm, Grifola frondosa ist ein „Abnehmpilz“ und Stoffwechselregulator, er hilft bei Fettleber, Diabetes oder Störungen im Knochenstoffwechsel und gleicht den Blutdruck aus. Bei chronischen Durchfällen kann er den Stuhl festigen. Er ist wichtig bei der Krebstherapie und bei Krebserkrankungen und zur Unterstützung des Immunsystems, zur Wundheilung und Förderung des Muskelaufbaus.

Der Eichhase oder Polyporus umbellatus, kein Tier, sondern ein Heilpilz des Lymphsystems, der bei der Therapie von Wassereinlagerung, also bei Ödemen und Lymphstau hilft. Die Unterstützung des Lymphsystems ist wichtig bei Hautproblemen und Gelenkschwellungen und bei Blasenproblemen.

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